Pfarre Cyrill & Method | Gedanken am 26.03.2020 – Durchhalten oder Genießen?
18787
post-template-default,single,single-post,postid-18787,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,hide_top_bar_on_mobile_header,qode-content-sidebar-responsive,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-14.2,qode-theme-bridge,disabled_footer_top,wpb-js-composer js-comp-ver-6.3.0,vc_responsive

Gedanken am 26.03.2020 – Durchhalten oder Genießen?

Gedanken am 26.03.2020 – Durchhalten oder Genießen?

Heute haben wir zehn Tage Ausgangsbegränzungen hinter uns, gefühlsmäßig ist aber schon viel länger gewesen. Der Zustand ist so ungewohnt, die Tage nicht einfach Tage wie jede anderen, die vorbeigehen und schnell vergessen werden. Kürzlich hat die Regierung wieder angedeutet, es wird schon länger dauern, bevor wir zum ganz “normalen Leben” wir es war zurückkehren können, und es wird nur schrittweise geschehen können. Wer unter dem jetzigen Zustand sehr leidet und nur hofft, es wird so schnell wie möglich vorbei sein, wird das wohl eine unangenehme Nachricht sein.

Doch liegt es auch an uns, wie es uns dabei gehen wird. Wie wir dieses “Anders leben (müssen)”, hängt nicht nur von unserer äußerlichen Situation und unserer Arbeit ab, sondern auch von unserer Einstellung zu der Sache.

Ich habe gewissermaßen das Glück, in diesen Wochen weder arbeitslos zu sein noch aufgefordert, noch viel intensiver als sonst zu arbeiten, wie die Polizei, Pflegepersonal und andere Berufsgruppen es tun müssen. Seelsorge und pfarrliches Leben geht weiter, wenn auch Kontakt überwiegend über Telefon, Mail, usw. erfolgt. Dazu bin ich selber introvertiert und habe an sich gern Ruhe. Trotzdem spüre ich auch, wie mir näherer Kontakt abgeht. Ich kann gut verstehen, wie andere, die solchen Kontakt noch mehr brauchen, oder die Sorgen um den Arbeitsplatz haben, oder die jetzt Homeschooling mit den Kindern machen müssen, viel schwerer mit der Situation tun.

Mir tut es gut, bewusst zu schauen, welche Chancen liegen in dem jetzigen Zustand, und was gibt es alles, wofür ich dankbar sein kann?

Für mich wäre das z.B. im privaten Leben, ich habe ein bisschen mehr Zeit, Musik zu hören oder selber zu musizieren, ein Paar Dinge in meiner Wohung einzurichten, für persönliches Gebet am Abend, wo sonst so viele Termine fallen. Im gesellschaftlichen Leben, finde ich wirklich schön zu sehen und zu erleben, wie Menschen zusammenhalten, bereit sind, einander zu helfen.

Es geht nicht darum, alles schön zu malen. Es ist viel menschliche Not dabei, die es gilt, wahrzunehmen und den Menschen beizustehen. Es ist einiges an Verzicht und Entbehrung notwendig. Hilfe in der Not und Verzicht können wir aber besser leisten aus einer Haltung der Positivität, der Hoffnung, der Freude an den schönen Dingen, die dabei geschehen. Und das erhoffe ich und wünsche ich für uns alle.

1Kommentar
  • Heinz Hödl
    Veröffentlicht um 22:03h, 26 März Antworten

    Im Kurier war heute eine relativ große Story mit dem Titel “Glauben oder Wissen?“ Leider hat mir die Titelschlagzeile „Die Kirche hinkt hinterher und diskutiert über Ostern“ nicht gefallen, denn sie zeigt nicht was wirklich in den vielen Pfarrgemeinden passiert. Natürlich wird jetzt, so kurz vor Ostern auch die Osterfeier vorbereitet, es wäre fahrlässig das nicht zu tun. Aber, fast alle Pfarren haben Nachbarschaftshilfeprojekte gestartet, viele haben alternative Kommunikationskanäle aktiviert, um mit den Menschen in Kontakt zu treten, um Zuspruch zu vermitteln und die Sorgen und Nöte direkt anzusprechen. Einsame und kranke Menschen werden auch regelmäßig telefonisch kontaktiert und erhalten so seelische und andere Hilfen vermittelt. Ich bin überzeugt, dass es vor allem auch auf diese intensive Arbeit an der Basis ankommt. Und diese leisten vor allem tausende Pfarrgemeinden und andere Religionsgemeinschaften.

Schreibe ein Kommentar