Pfarre Cyrill & Method | Gedanken am 11.5.2020 – Gruppierungen und Deutungen
19352
post-template-default,single,single-post,postid-19352,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,hide_top_bar_on_mobile_header,qode-content-sidebar-responsive,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-14.2,qode-theme-bridge,disabled_footer_top,wpb-js-composer js-comp-ver-6.3.0,vc_responsive

Gedanken am 11.5.2020 – Gruppierungen und Deutungen

Gedanken am 11.5.2020 – Gruppierungen und Deutungen

Am Samstag habe ich die geplante Regelung für die Messen bei uns im Newsletter herausgegeben: Info auf dieser Seite, Newsletter als PDF hier. Im Zuge der Überlegungen und Beratungen über verschiedene Möglichkeiten ist mir bewusst, wie wenig ich mich in einer klassischen “Richtung” (z.B. konservativ/traditionell/liberal/modern) der Kirche wieder finden kann, bzw. wie sehr ich mich mit allem identifizieren kann. Ich kann viele Anliegen aller diesen Richtungen gut verstehen und schätzen.
Vermutlich auch deswegen, weil ich wenig persönliches Bedürfnis habe, meine christliche Identität oder meine priesterliche Identität in Zugehörigkeit oder Befürwortung einer bestimmten (kirchlichen-politischen/theologischen) Richtung zu finden. Denn für mich liegt es seit langem, und immer noch, in dem, was ich als Weihespruch
ausgewählt habe: “Am größten ist die Liebe” (1 Kor 13,13; auch in seinem biblischen Zusammenhang verstanden).

Zu einem anderen Zeitpunkt werde ich eventuell versuchen, das besser zu artikulieren. Im Bezug auf die aktuelle Pandemie habe ich von einer Studie (allerdings noch nicht peer-reviewed) gelesen (Bericht dazu hier — auf Englisch), die bestätigen dürfte, wie stark den Filtereffekt der Grundüberzeugungen (Vorurteile, könnte man auch ein bisschen kritisch oder leicht zynisch sagen) auf die Wahrnehmung der Situation wirkt. Die Meinungen bzg. der Gefährlichkeit von COVID-19 gehen weiter auseinander, tendieren aber mehr dazu, den politischen Linien zu entsprechen. Grob gesagt und vereinfacht: Rechts/konservativ sehen die Krankheit als weniger gefährlich; links/liberal sehen die Krankheit als gefährlicher. Nicht weil sie verschiedene Informationen darüber oder Erfahrungen dazu haben, sondern weil sie verschiedene Interessen haben. Man sieht an der Realität, was man sehen will, um das zu bewirken, was man ohnehin befürwortet.

Durch soziale Medien wird diese gefilterte Wahrnehmung bzw. Bestätigung der eigenen Wahrnehmung durch Gleichgesinnte (Stichwort: Echokammer/Filterblase) gestärkt. Das ist wohl ein großes Problem – auch der kommenden Jahren. Ein guter Beginn wäre es, jeweils das eigene Haus zu richten, also bei den eigenen Standpunkten kritisch nachzufragen, warum sehe ich Dinge so, wem glaube ich und warum?

1Kommentar
  • Heinz Hödl
    Veröffentlicht um 18:19h, 12 Mai Antworten

    Lieber Joseph,
    Ja, die Meinungen bzgl. der Gefährlichkeit von COVID-19 gehen weit auseinander. Aber oft sind es Rechts- und Linksextreme, Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und Impfgegner gleichermaßen, die dem „System“ misstrauen und die Corona-Maßnahmen für willkürlich und überzogen halten. In Deutschland sind tausende dieser Menschen und Gruppen am Wochenende auf die Straßen gegangen. In den sozialen Netzwerken verbreiten sich derzeit Fake News ungebremst. Vor allem das rechte Lager versucht die Proteste für sich in Anspruch zu nehmen. Die Wissenschaft wird dabei gerne zum Feind ausgerufen.
    Die Frage, die eigentlich dahinter steht ist folgende: Was zählt bei der Bekämpfung der Pandemie mehr: Der Lebensschutz oder die Freiheit. Aber lassen sich diese Grundrechte überhaupt gegeneinander abwägen? Der Druck, die strengen Regeln bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie zu lockern, nimmt zu. Ökonomen und wirtschaftliche Interessensgruppen weisen auf die erheblichen sozialen, physischen, seelischen und kulturellen Schäden hin. Sie werden von Juristen, Philosophen und anderen Experten unterstützt.

Schreibe ein Kommentar