Pfarre Cyrill & Method | Gedanken am 14.4.2020 – wichtig oder dringend
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Gedanken am 14.4.2020 – wichtig oder dringend

Gedanken am 14.4.2020 – wichtig oder dringend

“Wenn nunmehr die Baumärkte öffnen dürfen, aber Kirchen nicht feiern könn(t)en, dann ist das unbefriedigend.” sagte Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl in einem Interview mit dem “Grazer” (Bericht auf kath.net)

Ich kenne auch einige Personen, die enttäuscht oder verärgert sind, dass sich die Kirche nicht mehr dafür eingesetzt hat, dass ihr “Geschäft” genau so wichtig oder noch wichtiger als die anderen Geschäfte sind, und, wenn auch unter bestimmten Sicherheitsauflagen, ihren Dienst tun dürfen/ sollen.

Dringende spirituelle Bedürfnisse

Ich bin auch überzeugt, die Bedürfnisse und Nöte der Menschen, die Trost, Begleitung oder ähnliche Zuwendung von der Kirche brauchen, sollen wir auf jeden Fall als Kirche und Gesellschaft ernst nehmen. In manchen Fällen sind diese auch wirklich dringende Nöte. Dann sollen wir unbedingt Wege überlegen und suchen, diesen Menschen auch dann beizustehen, wenn es mit einem gemäßigten erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden ist, genau so, wie verschiedene Geschäfte jetzt offen sind, obwohl allen bewusst ist, dass es damit zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko kommt.

Wichtige spirituelle Bedürfnisse

Auf lange Sicht muss die Kirche (auch als Institution) auch alles aufrecht erhalten / erfinden / verwirklichen, was notwendig ist, den spirituellen und gemeinschaftlichen Bedürfnissen der Gläubigen gerecht zu werden. Das wird wohl auch Gottesdienste vor Ort beinhalten, aufgrund von Jesu Auftrag “tut dies zu meinem Gedächtnis” und vom menschlichen Bedürfnis nach Nähe. Die theoretische denkbare Möglichkeit, dass die Technik die physische Nähe relativ unwichtig macht (durch Virtual-Reality-Brille, Handschuhen die auch ein echtes Gefühl eines Händeschüttelns oder Händedrucks geben könnten, usw), ist noch lang Sache von Science-Fction. Es darf, eigentlich muss hier eine Abwägung statt finden zwischen einem gesundheitlichen Risiko und einem spirituellen und menschlichen Bedürfnis. Weder die Kirche noch die Gesellschaft kann warten, bis es absolut kein Risiko mehr gibt. Da würde man bis zum Tode warten müssen. Risiko gehört zum Leben, wer es ganz vermeiden will, geht das viel größeres Risiko ein, das Leben zu verpassen oder zu verengen.

Wichtig heißt nicht gleich dringend

Aber aktuell, was Gottesdienste betrifft, so wie wir sie gewohnt sind, soll zwischen “wichtig” und “dringend” unterschieden werden. Wenn Bau- und Gartenmärkte jetzt offen haben, aber die Kirchen keine öffentliche Gottesdienste feiern, heißt das nicht, dass Gottesdienste weniger wichtig sind, sondern dass sie weniger dringend sind. Gärten müssen jetzt bearbeitet werden, verschiedene Reparaturen müssen auch getan werden. Seit Jahrhunderten wurden Bauern in der Hochsaison oft vom Besuch der Sonntagsgottesdienste dispensiert, um der Arbeit auf den Felder nachzugehen.

Gott braucht den Gottesdienst nicht, er ist für uns ein Mittel, Gottesliebe und Nächstenliebe zu bewahren und zu erreichen. “Seid ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Ihm auf diese Weise zu dienen ist der wahre Gottesdienst” (Röm 12:1, Übersetzung Hoffnung für alle). In der spirituellen Tradition haben Gläubige manchmal viel Monate in der Wüste verbracht, um Gott näher zu kommen, also um in der Gottesliebe zu wachsen. Für einzelne galt und gilt immer, Nächstenliebe in dringenden Fällen hat Vorrang, wenn die kranken Angehörigen dringend meine Hilfe brauchen, soll, ja darf ich nicht in den Gottesdienst gehen, sondern soll bei ihnen bleiben. So auch jetzt für die Kirche insgesamt, wenn die Nächstenliebe noch fordert, möglichst physischen Abstand zu halten.

Übrigens gilt das gleiche im Bezug auf die Maßnahmen der österreichischen Regierung. Dass Bau- und Gartenmärkte jetzt offen haben, aber die Ausgangsbeschränkungen bis Ende April gelten, heißt dass nicht unbedingt, dass Besuche als weniger wichtig eingestuft werden, sondern dass sie als weniger gefährlich eingestuft werden (so wird es hauptsächlich kommuniziert), und/oder dass sie weniger dringend sind.

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