Pfarre Cyrill & Method | Gedanken am 25.5.2020 – Konsumgesellschaft und Wirtschaft
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Gedanken am 25.5.2020 – Konsumgesellschaft und Wirtschaft

Gedanken am 25.5.2020 – Konsumgesellschaft und Wirtschaft

“Die Menschen müssen Geld haben, um zu konsumieren. Daher müssen wir möglichst viele Menschen wieder in volle Beschäftigung bringen” (Pressekonferenz am 21.5.2020)

“Wir brauchen Optimismus, wir brauchen Menschen, die konsumieren, wir müssen die Wirtschaft wieder in Schwung versetzen.” (Interview am 23.5.2020)

Diese Zitate von Bundeskanzler Kurz scheinen den wirtschaftlichen Realitäten der letzten Jahre in der ersten Welt zu entsprechen. Wirtschaft als die Produktion von Gütern und Leistungen, die konsumiert werden, wird von der Nachfrage angekurbelt. Wo Konsum nachlässt, lässt die Gewinnmöglichkeit durch Produktion und Arbeitsleistung nach und die Motivation zu produktiver Arbeit und zum Nutzen von Kapital nimmt ab: eine negative Spirale. Um also die Wirtschaft zu stärken und wachsen zu lassen, muss man Konsum ermöglichen und dazu motivieren.

So weit, so gut. Ist es aber immer den Preis wert, die Arbeit zu tun, Dinge zu produzieren und Leistungen zu erbringen, damit diese Dinge konsumiert und die Leistungen in Anspruch genommen werden können? Wie wäre es, wir würden alle etwas weniger (entgeltliche) Arbeit tun, und alle etwas weniger konsumieren? Ob das nicht auch genau so hohe Lebensqualität, oder noch mehr, bedeuten würden?

Die Reduzierung der Regelarbeitswoche auf weniger als 40 Stunden wurde im Zuge dieser Kreise schon einmal oder mehrmals vorgeschlagen. Es dürfte eine komplexe, aber auch sinnvolle mögliche Antwort auf die wirtschaftliche Krise sein. Der Grundgedanke, weniger arbeiten und weniger verdienen, dafür weniger konsumieren und mehr selbst tun (quasi Eigenleistungen für sein eigenes Leben oder das der Familie), könnte aber auch für einzelne Personen sinnvoll sein.

4 Kommentare
  • Roswitha und Christoph Stockert
    Veröffentlicht um 10:23h, 26 Mai Antworten

    Diesen Denkanstoß unterstützen wir voll und ganz – zweifach und dreifach !! Ja, weniger konsumieren und das eingesparte Geld zur Unterstützung der zahlreichen Projekte

    zugunsten der Ärmsten auf dieser Erde zu verwenden !!

    Roswitha und Christoph

  • Heinz Hödl
    Veröffentlicht um 17:51h, 26 Mai Antworten

    Dazu passt das heute veröffentlichte Manifest für bessere Arbeitswelt nach der Pandemie:
    Die Coronavirus-Pandemie macht die gegenwärtigen Probleme der Arbeitswelt besonders deutlich: Weltweit zeichnet sich eine extrem hohe Arbeitslosigkeit ab, es gibt viele unsichere Jobs, Scheinselbstständige sowie prekär Beschäftigte. Machen wir uns nichts mehr vor: Die meisten Kapitalanlegerinnen und -anleger werden sich, wenn sie sich selbst überlassen sind, weder um die Würde der Beschäftigten kümmern, noch werden sie den Kampf gegen die ökologische Katastrophe führen.
    4.000 Forschende weltweit haben heute ein Manifest unterzeichnet, das zu einer Neugestaltung der Arbeitswelt aufruft: Arbeit soll demokratischer geregelt und Arbeitende nicht länger als Ressource betrachtet werden – die Coronavirus-Krise biete die Chance dafür. Mehr dazu in science.ORF.at

  • Heinz Hödl
    Veröffentlicht um 18:20h, 26 Mai Antworten

    Um 15 Uhr ist Schluss. Nicht nur freitags, sondern jeden Tag. Für alle. 30 Stunden Arbeit pro Woche – super – das bringt Zeit für die anderen wichtigen Dinge des Lebens. Für Familie, soziales Engagement oder einfach Entspannung. Neu ist die Idee einer kürzeren Arbeitswoche nicht: In jeder Krise kam diese Debatte auf – das Kalkül dahinter: Arbeitslosigkeit einzudämmen.

    Für Markus Marterbauer, Chefökonom der Arbeiterkammer Wien, ist die Freizeitoption der größte Fortschritt zur Arbeitszeitverkürzung. Als WIFO-Forscher hat er bereits vor Jahren ein Modell der Arbeitszeitverkürzung erstellt, das nicht an Aktualität verloren hat. Mit steigender Beschäftigung, die eine 30-Stunden-Woche mit sich bringen würde, würde auch die Massenkaufkraft steigen.

    Der Soziologe Jörg Flecker weist darauf hin, dass das 30-Stunden-Modell nicht mit reduziertem Gehalt einhergehen dürfe. Die 30-Stunden-Woche würde männerdominierte Unternehmenskulturen aufbrechen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern – ein Vorteil für Männer und Frauen.

    “Sie könnte das Ungleichgewicht zwischen Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten reduzieren”, sagt Carina Altreiter, Soziologin an der Uni Wien. „Die Vollzeit auf 30 Stunden bei gleichbleibendem Lohn zu reduzieren, wäre für Frauen eine Entlastung, gerade in Niedriglohnbranchen”, sagt Altreiter. Allerdings: Garant, dass sich dann Männer mehr um den Haushalt kümmern, biete die 30-Stunden-Woche nicht – dazu brauche es ein Umdenken in der Gesellschaft.
    Die Reduktion von Arbeitszeit würde laut Klimaschützern dazu beitragen den weltweiten CO2-Ausstoß deutlich zu senken, um die Klimaerwärmung zu stoppen.

    Die 30 Stunden Woche kennt jedoch viele Gegner: Einer davon ist der deutsche Wirtschaftsökonom Wolfgang Scherf. Seine Argumente: Sie könne zwar Arbeitslosigkeit verhindern, sie aber nicht reduzieren. De facto müssten die Beschäftigten auf Reallohn verzichten, damit mehr Beschäftigung möglich sei. Lohnerhöhungen wären nicht drin – denn damit würden die Stundenlöhne stärker wachsen als die Produktivität. Inflation und Arbeitslosigkeit wären die Folge. Von einer aufgezwungenen, generellen Arbeitszeitverkürzung hätte kaum jemand etwas, wie das Beispiel Frankreich zeigte. Das Beispiel Frankreich zeigt auch, was es bringt: höhere Kosten für Betriebe und Budget, Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und mehr Arbeitslose als vor der Verkürzung!

    So einfach ist es nicht. Einerseits werden reiche Länder nicht durch mehr Arbeit ihrer Beschäftigten reicher. Dänemark, Luxemburg oder die Niederlande fallen durch vergleichsweise niedrige Wochenarbeitszeiten auf. Andererseits geht auch die Rechnung “Reich durch weniger arbeiten” nicht auf. “Bei einer Reduktion von 38,5 auf 35 Stunden müsste man um rund zehn Prozent produktiver werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit konstant bleibt”, rechnet IHS-Chef Martin Kocher vor. Branchen im internationalen Wettbewerb würden sich enorm schwertun. Gerade bei einer Exportnation wie Österreich fiele das ins Gewicht. Auch Kocher verweist auf Frankreich: Die 35-Stunden-Woche brachte dort klar negative Effekte.

    “Jeder fragt nach dem Haken, aber es gibt keinen”: Carina Hammer sagt das im Brustton der Überzeugung. Die 28-Jährige hat eine Normalarbeitszeit von 30 Stunden pro Woche,
    sechs pro Tag – bei vollem Gehalt. Ihr Arbeitgeber, Klaus Hochreiter, führte das Modell im Oktober 2018 in seiner Onlinemarketing-Agentur eMagnetix in Oberösterreich ein. Für Hochreiter war es die Flucht nach vorn. Er hatte Mühe, Mitarbeiter zu finden. Mit dem neuen Modell rennen ihm die Interessenten die Tür ein. Als die Geschäftsführung die Idee vor versammelter Mannschaft auf den Tisch legte, sei ungläubiges Staunen die Reaktion gewesen, sagt Hammer. “Wie, bitte, soll das gehen?”

  • Karin Schnürl
    Veröffentlicht um 11:32h, 05 Juni Antworten

    Viele haben in dieser Zeit erkannt dass Homeoffice (sofern die Kleinen nicht daneben sind) eine perfekte Work-Life Balance bringt. Also nicht nur weniger Stunden arbeiten, sondern auch die Zeitersparnis der Arbeitswege, im Stau stehen etc. Ebenso wird die Zeiteinteilung fokussierter, da weniger unwichtige Meetings etc. Natürlich sind nicht alle Jobs im Homeoffice möglich. Der wichtige Punkt dahinter ist aber die Erkenntnis wieder mehr qualitative Zeit mit seiner Familie, den Kindern, den Freunden und sich selbst zu verbringen. Dies war während des Lockdowns erkennbar. Leider hat man jetzt wieder das Gefühl alles kehrt zum Alten zurück. Termindruck, Staus, überfüllte Einkaufszentren,…. Trotz allem bleibt ein kleiner Prozentsatz, die in dieser Zeit erkannt haben was es bedeutet Zeit mit den Kindern zu verbringen, raus in die Natur, regional und nur das Wichtigste einzukaufen, respektvoll mit dem Umzugehen was da ist. Und dafür bin ich dankbar.

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