Pfarre Cyrill & Method | Gedanken am 31.03.2020 – Perspektivenwechsel
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Gedanken am 31.03.2020 – Perspektivenwechsel

Gedanken am 31.03.2020 – Perspektivenwechsel

Die Tageslesung erzählt, wie die Israeliten den Mut verlieren, sowie das Vertrauen in Mose und in Gott, und Angst haben, dass sie in der Wüste verhungern und verdursten werden.
Durch eine Schlangenplage lernen sie schätzen, was sie unter der Führung Mose hatten, und als sie nun Angst vor den Giftschlangen haben, erleben sie Heil gerade in dem kupfernen Abbild einer Schlange.

Diese Erzählung wird im neuen Testament als Urbild der Erlösung, die in Jesus geschieht: “wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.” (Joh 3, 14-15) Ich möchte aber hier die Ereignisse noch “an sich” betrachten, und im Blick auf unsere aktuelle Situationen.

Die Israeliten erleben einen Perspektivenwechsel. Durch die hautnahe Erfahrung “es könnte noch viel schlimmer sein”, wird ihnen bewusst, dass es doch nicht so schlimm ist, was Gott sie unter der Führung Mose zugemutet hat, bereuen ihren Unmut und finden wieder Vertrauen auf Gott und Mose. Ein ähnlicher Perspektivenwechsel drückt der bekannt Spruch aus: “Ich habe geweint, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich einen traf, der keine Füße mehr hatte.” Freilich kann der Gedanke “es könnte noch viel schlimmer sein” auch zu Angst führen, dass es auch so sein wird. Es kommt darauf an, ob ich mich bei solchen Gedanken auf das Gute oder auf die Schattenseite blicke, liegt also auch in meiner Freiheit. Und es kommt darauf an, ob ich ein Grundvertrauen, den “Glauben” gelernt habe, den man das Positive auch blicken lässt, wenn Ängste auftauchen.

Und sie stellen sich ihre Angst, drücken ihre eigentliche Überzeugung aus, Gott ist größer und er meint es doch gut mit uns, indem sie angesichts der Giftschlangenplage zu der kupfernen Schlange aufschauen. Und sie werden Heil.

Wenn wir uns mit diversen Einschränkungen plagen, kann es uns auch gut tun, bewusst zu werden, wie gut es uns eigentlich dabei geht. Es ist eine reale Gefahr ist, dass die medizinische Versorgung überlastet werden und wir müssen uns sehr dafür einsetzen, dass das nicht so kommt. Dabei kann es hilfreich sein, auf das zu schauen, was wir alle noch an Sicherheiten und Beistand haben: die Versorgung mit Lebensmittel und den anderen Dingen des täglichen Bedarfs, Frieden in unserem Land, eine Gesellschaft von Menschen, die das ganze mittragen — wir stehen nicht allein da — und viel mehr. Wir können uns beschweren über gewisse Einschränkungen und Mängel, oder können uns freuen über das enorm viele, was wir haben, und aus dieser Dankbarkeit uns dafür einsetzen, das Befürchte möglichst zu verhindern.

Wenn wir mit manchen Dingen konfrontiert sind, die uns etwas überfordern — z.B. viel Zeit mit den Partner oder mit den Kindern, Homeoffice, Ungewissheit im beruflichen Leben, eingeschränkte persönliche Kontakte — können wir darin eine Chance sehen, uns mit unseren Ängsten und mit diesen Sachen auseinander zu setzen, Positives zu finden und zu stärken. Viel Zeit mit Familie kann anstrengend sein, aber auch zusammenschweißen, wenn auf Wertschätzung, Verständnis, Geduld und Kommunikation geachtet wird. Die Einschränkung von persönlichen Kontakten nimmt uns manche Kraftquellen, eröffnet aber die Möglichkeit, auch neue zu finden: z.B. musizieren, lesen, meditieren, beten…

Unsere Situation lässt uns manch anders sehen und erleben. Das kann auch positiv sein.

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