Pfarre Cyrill & Method | Gedanken am 7.5.2020 – Live-Übertragung einer Feier oder Anregung zu einer eigenen Feier?
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Gedanken am 7.5.2020 – Live-Übertragung einer Feier oder Anregung zu einer eigenen Feier?

Gedanken am 7.5.2020 – Live-Übertragung einer Feier oder Anregung zu einer eigenen Feier?

Vor zwei Jahren leitete ich drei Pfarren. Leitete und betreute vier Kirchen, wo bis vor wenigen Jahren immer eigene Feiern der Kar- und Ostertage gehalten wurden. Ich habe damals überlegt, in einer Kirche eine Messe zu feiern, und per Livestream in eine andere Kirche zu übertragen. Die Kommunion hätte durch eine(n) Kommunionspender(in) in die Kirche gebracht werden sollen. Oder überhaupt eine solche Lösung auch für die Sonntagsmesse, da jeder Gemeinde nicht zu früh und nicht zu spät ihre Sonntagsmesse wollte.

Haben wir mit den Möglichkeiten der Medien, die im Zuge der Corona-Krise vermehrt zum Einsatz kommen, eine Lösung für den “Priestermangel”? Ein Priester, der z.B. sechs Pfarren hat, kann Montag bis Samstag in eine andere Pfarre gehen und die Messe mit einem kleinen Kreis feiern. Die Feier wird aufgenommen, dann am Sonntag mit einem Beamer wiedergegeben, und ein(e) Kommunionspender(in) spendet den Mitfeiernden die Hl. Kommunion.

Oder man könnte noch mehr Aufwand sparen, indem die Messe nur einmal in der Woche gefeiert und aufgenommen wird, die Kommunion wird in jede Kirche gebracht, und eine Feier mittels Beamer/Bildschirm kann in jeder Kirche stattfindet.

Man könnte die Qualität der Feier dann deutlich erhören, indem man mehrmals jedes Element aufnimmt (insbesondere Lieder, Lesungen und Predigt), die beste Aufnahme wählt, und sie dann zusammenschneidet, wie bei Filmdrehungen.

Was spricht dagegen?

Medien als technische Hilfsmittel zur Zusammenkunft und Zusammenfeier einer Gemeinde?
Wenn das Ziel unserer medialen Übertragung ist, das Ideale einer realen Zusammenkunft der Gemeinde und einer realen gemeinsamen Zusammenfeier möglichst nah zu kommen, bringt uns jeder dieser Maßnahmen immer einen Schritt weiter weg vom Ideal. Die örtliche und zeitliche Dislozierung, das Zusammenscheiden von Elementen, alle bringen uns etwas weg von einer Feier, die jetzt, in diesem Moment (jedenfalls in dieser Minute), mit und für uns alle gefeiert wird, mit der ich jetzt im Gedanken und Gebet dabei bin.

Wenn die Feier vorher aufgenommen wurde und dann später wiedergeben wird, wird die Gemeinde nicht mittels Technik mit einer Feier verbunden, die jetzt geschieht, und Mitfeiernde dieser Feier. Sie wird Zuschauer einer Feier, die schon vorbei ist. Wenn die Feier in einer Kirche für viele Pfarrgemeinden stattfindet, ist die Feier nicht spezifisch für diese eine Pfarrgemeinde gefeiert, sondern “allgemein” für alle. Es besteht eine gewisse Diskrepanz zwischen die Feier in ihre ursprünglichen Realität, und die Gemeinde die sich versammelt um (medial) Eucharistie zu feiern. Wenn die Feier nie als solche stattgefunden hat, sondern ein Film wird, aus den einzelnen Elementen zusammengeschnitten, rücken wir noch weiter vom Ideal einer gemeinsamen Feier. Denn da gebe es gar keinen Ort und keine Zeit, wo diese Feier stattgefunden hat.

Aus solchen Gründen fühle ich ein bisschen Unbehagen bei der Idee, mehrere Elemente der Messe im voraus (z.B. Lieder, Fürbitten), in verschiedenen Wohnungen oder Haushalten aufzunehmen, und diese Aufnahmen dann während der Live-feier einzufügen. Passender, wenn technisch schwieriger, finde ich solche Teile live aus einzelnen Wohnungen zu übernehmen und in den Stream einzuschalten.

Medien als Hilfen um selber zuhause zu beten und Gottesdienst zu halten.
Wenn aber das Ziel aller diesen medialen Möglichkeien nicht ist, sich einer gemeinsamen Feier zu nähern, sondern Menschen zu hause in ihrem Hören auf Gottes Wort und in ihrem Gebet zu unterstützen, in ihrem jeweils eigenen häuslichen Gebet, sind solche medialen Hilfen weniger problematisch. Wenn ich zuhause (allein oder mit Familie oder Freunde) beten will, warum nicht auch Lobpreis mittels Lieder vom Internet zugreifen, eine Predigt anhören oder anschauen, die mich stärkt, egal wann und wo diese Lieder und diese Predigt aufgenommen wurde?

Was wollen wir eigentlich?
Wollen wir vor allem das Ideal einer sonntäglichen Eucharistiefeier vor Ort in der Kirche verwirklichen und Menschen durch Medien daran teilhaben? Dann sollte wohl der Inhalt dieser Medien nicht wesentlich anders als diese Eucharistiefeier sein. Oder wollen wir Christen ermutigen und unterstützen, ermächtigt durch die Taufe, Gottesdienst zuhause zu feiern? Dann sind die Formen und Möglichkeit der medialen Unterstützung vielfältig (nur zum Beispiel: es wäre da denkbar, eine biblische Lesung einmal nicht laut zu übertragen, sondern jeder ließt sie für sich, oder in einem Haushalt liest jemand sie vor). Oder wollen wir einen Zwischenweg gehen, irgendwie beide Ziele gleichzeitig und auf verschiedene Weise verfolgen? Oder abwechselnd?

Das sind komplexe Fragen, die in die Wahl der Gottesdienstformen in nächster Zeit, besonders am Sonntag, hineinfließen.

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